Meine hugenottischen Vorfahren

Titelbild: Mein Opa Otto Villaret mit Frau und Kindern

Per Zufall bin ich auf die Seiten der Deutsche Hugenotten-Gesellschaft e.V. (DHG) gestoßen. Eine Anfrage bzgl. des Namens Villaret ergab:

„Der von Ihnen genannte Pierre geb. 1655 ist bei uns allerdings ein Jean Villaret (so auch in der Kolonieliste). Anbei die von uns erfassten Nachkommen bis zum Johann Gottlieb V., mehr haben wir leider nicht. Da wir nur franz.ref. Kirchenbücher in Deutschland erfassen, haben wir auch keine Angaben zu Personen aus Frankreich (lediglich die französischen Personen die in deutschen Kirchenbüchern genannt werden).

In Frankreich haben zahlreiche Departementes-Archives Ihre Kirchenbuch-Dokumente online gestellt. Die französischen Quellen sind aber nach meinen langjährigen Erfahrungen teilweise sehr schwer lesbar (altfranzösische Schrift und Sprache, hier 16. u. beginnendes 17. Jh., Ende 17. ist wieder besser), dazu kommt noch, dass bei vielen KB die Familiennamen nicht unterstrichen oder gesondert gekennzeichnet sind. Wichtig ist hier zu wissen, dass viele Ehen notariell geschlossen wurden, teilweise gehen hier die Quellen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Diese Quellen zu erschließen ist aber noch viel schwieriger, aber wenn vorhanden unendlich informativ.“ 

Mit Aufhebung des Toleranzediktes von Nantes durch den französischen König Ludwig XIV. am Oktober 1685 folgte die Flucht von 200.000 bis 250.000 Hugenotten in alle Welt. Im Fürstentum Brandenburg fanden ca. 20.000 Hugenotten Zuflucht. Grundlage war eine Initiative des Großfürsten. „Das Edikt von Potsdam, auch Potsdamer Toleranzedikt genannt,[1] war ein Toleranzedikt, das am 29. Oktoberjul./ 8. November 1685greg.[2] vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg erlassen wurde. Der Kurfürst – im Gegensatz zur evangelisch-lutherischen Bevölkerungsmehrheit Brandenburgs selbst calvinistischen Glaubens – bot seinen in Frankreich wegen ihrer Religion verfolgten protestantischen Glaubensgenossen, den Hugenotten, freie und sichere Niederlassung in Brandenburg an. Den Flüchtlingen wurden großzügige Privilegien gewährt, unter anderem Befreiung von Steuern und Zöllen, Subventionen für Wirtschaftsunternehmen und Bezahlung der Pfarrer durch das Fürstentum. „

Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Edikt_von_Potsdam

Jean Villaret Nachkommen

Quelle: Datenbank Hugenottenmuseum

Entsprechend den Informationen aus der Datenbank des Hugenottenmuseums muss die Ahnentafel, die meine Tante erstellt hat, etwas korrigiert werden.



Auszug aus der Liste zur Kolonie Neuhaldensleben



Hier wird der Ort Nantelemault nach dem Gehör geschrieben, gemeint ist hier aber wohl der Ort Nanteuil les Meaux Dep. Seine et Marne (so meint es zumindest Beringuier). Der Ort liegt östlich von Paris aus gesehen. (Hinweis von Dr. Loyal vom Hugenottenmuseum)

„Die Französische Gemeinde Neuhaldensleben verdankt ihre Entstehung denjenigen französischen Flüchtlingen, die zuerst in der Schweiz eine Zufluchtsstätte gefunden hatten. Es waren besonders Flüchtlinge aus dem Languedoc, dem Dauphine und der Provence, die 1699 den überfüllten Kanton Bern wieder verlassen mussten und in Brandenburg eine neue Zufluchtsstätte fanden. Das Städtchen Neuhaldensleben, drei Meilen von Magdeburg gelegen, hatte 1682 durch eine Pestedemie sehr gelitten, 762 Einwohner waren in jenem Jahr gestorben. Auch eine große Feuerbrunst hatte 20 Jahre zuvor den größten Teil der Stadt zerstört, und viele Ländereien lagen noch unbebaut.“

„Der Magistrat gab die gewünschte Zahl der Familien, mit Einschluß des Predigers und Kantors, auf 50 an, und zwar wünschte er 16 Wollarbeiter, neun Tabakpflanzer, acht Landleute und im übrigen verschiedenartige Handwerker“

Quelle: P.W. Behrends: Neuhaldenslebische Kreis-Chronik, 1824

„Es ist nicht mehr festzustellen, ob die Schweizer Refugies die ersten Kolonisten waren, oder ob sich vor Ihnen schon einige Französische Flüchtlinge dort niedergelassen hatten, was bei der Nähe von Magdeburg nicht ganz unwahrscheinlich ist.“

Quelle: Muret, Eduard: Geschichte der Französischen Kolonie in Brandenburg-
Preußen, unter besonderer Berücksichtigung der Berliner Gemeinde ; aus
Veranlassung der Zweihundertjährigen Jubelfeier am 29. Oktober 1885

In der Neuhaldenslebischen Kreis-Chronik von 1824 ist zu lesen, dass die Hugenotten im Sommer 1699 in Neuhaldensleben ankamen.

Quelle: Peter Wilhelm Behrends „Neuhaldenslebische Kreis-Chronik oder Geschichte aller Oerter des landräthlichen Kreises Neuhaldensleben im Magdeburgischen, Band 1, 1824

„In Halle und Magdeburg bildeten sich bereits 1686 eine Hugenottenkolonie, Burg und Stendal folgten 1688. Nach Halberstadt und Neuhaldensleben gelangte erst mit dem neuen großen Flüchtlingsstrom von 1699 eine größere Anzahl von Refugies, als letzte Hugenottensiedlung wurde 1710 eine in Calbe angelegt“

Quelle: Barbara Dölemeyer: „Die Hugenotten“; Urban Taschenbücher

Die Kolonie Neuhaldensleben existierte von 1699 bis 1831.

Quelle: Fuhrich-Grubert, Ursula: „Hugenotten unterm HakenkreuzStudien zur Geschichte der Französischen Kirche zu Berlin 1933–1945“

Die Kolonieliste von Neuhaldensleben aus dem Jahr 1699 gibt 135 Personen in 32 Haushaltungen an. Ein Name der ersten Ansiedler ist Villiri. Jean lebte also 1699 mit Frau und drei Kindern in Neuhaldensleben. Die Flüchtlinge erhielten Grundstücke in der Stadt, denn dort gab es als Folge des 30jährigen Krieges noch zahlreiche „wüste Stellen“. Sie hatten einen eigenen Vorsteher und einen französischen Richter. Die Hugenotten erhielten die kleine Kirche St. Jakob außer Dienstag für Ihre Gottesdienste unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

Quelle: Zeitreise-Haldensleben.com

Aus Mangel an Wohnraum haben einige Familien Neuhaldensleben wieder verlassen schreibt Behrend in der Kreischronik. Er schreibt weiter: „Die anfänglichen Erwartungen aber, welche man hinsichts der Vermehrung der Fabrication und dergleichen von diesen fremden Ankömmlingen hatte, bestätigten sich hier nicht ganz. Denn einige angelegte Wollenstrumpfmanufacturen gingen bald wieder ein und der versuchte Seidenanbau wurde nicht vom Klima begünstigt. Besser gelang es jedoch mit dem Tabakbau, der, unserem Boden besonders zusagend, allmählich eine Hauptnahrungsquelle vieler hiesiger Bürger geworden ist.“

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