Island 2016 – Im Winter

Island im Winter erleben

Ankunft. Island empfing uns am 17. März 2016 bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Plusgraden. Die Halbinsel Reykjanes war unser erstes Ziel. Nach einem kurzen Abstecher zur „Blauen Lagune“ (Bláa Lónið) genossen wir das Schauspiel und den schwefeligen Duft der „blubbernden Schlammtöpfe“ der Solfataren Seltún bei Krýsuvík.
Der Kleifarvatn, in unmittelbarer Nachbarschaft, war stellenweise noch eisbedeckt. Nach einem schweren Erdbeben 2000 begann der See plötzlich zu schrumpfen und teilweise im Boden zu versickern. Seit 2009 hat er sich aber wieder ziemlich gefüllt. Die Spalten unter ihm haben sich offensichtlich wieder geschlossen. In Reykjavik hatten wir wieder unser bewährtes Quartier in der Brattagata, in unmittelbarer Nähe des Hafens. Die letzten Sonnenstrahlen tauchten die Stadt und die umgebenden Berge in ein malerisches Licht. Am Abend zog eine geschlossene Wolkendecke auf, die die Wahrscheinlichkeit Nordlichter zu sehen, gegen Null verschob. Nun ja, man kann nicht alles am ersten Tag haben. (zu den Bildern)

Þingvellir & Co. Die Wolkenfront von gestern hatte sich über Südisland festgesetzt. Dichte, graue Wolken über dem Pingvallavatn im Nationalpark Þingvellir gaben der Landschaft ein sehr trübes, trauriges Aussehen. Während der Wanderung zwischen den beiden Kontinentalplatten wurde es langsam freundlicher. Bei Tauwetter hatte sich der festgetretene, verharschte Schnee streckenweise in eine spiegelglatte Eisfläche verwandelt, was für viele Wanderer eine ungewollte Rutschpartie auf dem Po zur Folge hatte. Ca. 30 km weiter zogen die Geysire die Touristen in Scharen an. Im Minutentakt blies der Stokkur seine Dampfschwaden in den Himmel.
Nicht weniger Betrieb herrschte am Gullfoss. Vorbei am alten Bisschofsitz Skálholt fuhren wir dann nach Hella, wo wir zweimal nächtigten. Bei unserer ersten Tour im Sommer 2013 durch dieses Gebiet waren uns die vielen Pferde in dieser Region gar nicht so aufgefallen. Jetzt fraßen sie das Moos zwischen den grauen Gräsern des letzten Jahres. Die Weideflächen waren durch die Nässe nur schwer begehbar. (zu den Bildern)

„Surprise“ Tour. Das endgültige Ziel unseres Super-Jeep-Abenteuers war zunächst unbekannt. Es richtete sich nach der aktuellen Wetterlage. Island ist, insbesondere in den Wintermonaten, für sehr schnelle Wetterwechsel bekannt. Zur Auswahl standen Ausflüge in das Tal der Þórsmörk, in das Liparitgebirge Landmannalaugar, zum Vulkan und Gletscher Eyjafjallajökull und rundherum um den Vulkan Hekla. Pünktlich 9:45 Uhr standen wir mit grossen Erwartungen vor unserer Unterkunft. 10 Minuten später war das Geheimnis gelüftet. Die Tour führt uns in das Tal Þórsmörk. Hier waren wir schon einmal im Sommer 2013, jedoch kamen wir mit unserem Mietwagen – einem VW Tiguan mit Allradantrieb – nicht so weit wie gewollt in das Tal.
Die Freude stieg, nur das Wetter spielte noch nicht mit. So ging es erst zunächst in Richtung der Westmännerinseln, da sich diese schon schemenhaft am Horizont zeigten, während die Berge sich noch unter einer dicken Wolkendecke versteckten. An der Küste entlang zeigte uns der Fahrer schon einmal, was so ein Super-Jeep alles kann. Lockerer Treibsand und tiefe Wasseransammlungen stellten keine Hindernisse dar. Langsam kam die Sonne durch. Also um 180 Grad gewendet und ab in Richtung in „Wald des Thor“, wie Þórsmörk übersetzt heisst. Wir hielten zunächst am Nauthúsagil, einer kaum zu sehenden Felsspalte. Im Bett des Baches ging es von Stein zu Stein tief in die enge Schlucht. Wasserdichte Schuhe waren hier ein absolutes „muss“.
Weiter dann im Jeep, den Blick immer auf das Tal und die schneebedeckten Gipfel gerichtet. Kein Hindernis konnte uns aufhalten. So ein Fahrzeug ist schon eine tolle Sache, zumal auch die Schotterpiste in einem katastrophalem Zustand war. Erst im Frühjahr, wenn die Strassen weitgehend abgetrocknet sind, werden sie wieder glatt geschliffen und sind dann auch für „normale“ Fahrzeuge passierbar. Für den Einsatz in Islands Natur erfahren die Superjeeps am Unterbau und Getriebe ein spezielles Tuning. Kaum zu glauben, wo man dann überall fahren kann. Doch es gilt Regeln zu beachten, kreuz und quer und ohne Rücksicht durch die Landschaft ist nicht! Saftige Strafen erwarten den, der sich nicht daran hält.
In einer Hütte am Ende des Tales aßen wir zu Mittag, dann fuhren wir zurück und stoppten für die nächste Wanderung an der Stakkoldsgjá. In dem malerischen Canyon liefen wir bis zur Quelle des Flusses, einem kleinen Wasserfall im Berg. Das nächste Ziel war der Gigjökull, ein Gletscherlappen des Eyjafjallajökulls, den wir schon auf der Fahrt zur Hütte passiert hatten. Jetzt konnten wir unter fachkundiger Führung das Innenleben des Gletschers zu erkunden.
Vor dem Ausbruch des Eyjafjallajökull wäre das nicht möglich gewesen, denn da war dort ein großer See. Der Ausbruch des Vulkans, bzw. dessen Schlammmassen haben hier die Natur nachhaltig verändert. Nach diesem tollen Erlebnis überquerten wir den noch nicht zu tiefen Markarfljót und verließen das Tal auf der gegenüberliegenden Seite. An einem verlassenen Bauernhof hielten wir kurz, ehe der Fahrer den Halt am Gluggafoss nutzte, um wieder Luft in die Pneus für den normalen Straßenverkehr zu pumpen. (zu den Bildern)

Weiter Richtung Osten. Regen, alles grau in grau. Doch der Wetterbericht ließ uns auch an diesem Tag hoffen und Punkt 9 Uhr war unser Suzuki Grand Vitara wieder auf der Ringstrasse. Den Gletscher Mýrdalsjökull hatten wir 2013 schon besucht, jetzt hatte er sich weiter zurück gezogen. Die Gletscherzunge zeigte auch diesmal wenig Spektakuläres. Schwarzer Sand gibt dem Gletscherauslauf ein etwas schmuddeliges Aussehen. Um die frühe Stunde starteten viele geführte Gruppen ihre Gletschertouren. Zwischenstopp am Museum des Eyjafjallajökull – neben Wissenswertem wird den Touristen auch unheimlich viel Kitsch angeboten.
Abseits der Ringstrasse zum Thermalgebiet beim Seljavellir an der F242 Auf dem Weg nach Vik klarte es dann endgültig auf. An der Küste fegte der Wind die letzten Wolken weg und erzeugte mannshohe Wellen. Die Tufffelsen Reynisfjall sind immer einen Abstecher wert. Weiter ging es, immer noch auf der 1, durch die kilometerlange schwarze Sanderwüste von Mýrdalssandur und die „Feuerlava“ Eldhraun zu unserer Unterkunft bei Kirkjubæjarklaustur. Fest eingeplant war ein Besuch der wunderschönen Schlucht Fjaðraáglúfur bei Hunkubakkar. Da die Strasse dorthin jedoch aufgeweicht und somit geschlossen war, mussten wir die letzten 2,5 Kilometer laufen und kamen so etwas zu spät an. Die Sonne stand bereits zu tief und der Canyon lag schon im Schatten. Künstlerpech.
Letztendlich bekamen wir, kurz vor dem Ziel, doch noch einen atemberaubenden Sonnenuntergang zu sehen. Unsere Unterkunft – Dalshöfði Gistiheimili – lag auf einem Grundstück in unberührter Natur, weitab vom nächsten Ort. Das war ideal um auf „Nordlichtjagd“ zu gehen, da störendes Licht nicht zu sehen war und der Himmel in der Nacht erstmals wolkenlos bleiben sollte. Nur die Intensität der Aurora Borealis war auf dem geringsten Level. Gegen 23 Uhr zeigten sich dann erste helle, mehr grau als grüne Schleier, die sich dann auf dem Foto als grüne „Nordlichtlein“ entpuppten. Auch wenn unsere Erwartungen nicht ganz erfüllt wurden, wir hatten sie nun endlich mit eigenen Augen gesehen und konnten völlig durchgefroren, aber glücklich zu Bett gehen. (zu den Bildern)

Gletschertour – ein eiskalter Tag. Der klare Himmel vom Vorabend war verschwunden. Bei Schneeregen starteten wir in Richtung Gletscherlagune Jökulsárlón. Als ersten Gletscher erkundeten wir den Kviamyrarkambur. Nur ein kleiner Wegweiser verweist auf dieses Kleinod
der Natur. Ca. 15 Wegminuten von der Ringstrasse entfaltet er sich in voller Pracht, die vielen Touristen verborgen bleibt, da sie meist nur die Highlights in den Reiseführern ansteuern. Der Regen hatte noch immer nicht aufgehört, so entschlossen wir uns den Skaftafell-Nationalpark zunächst links liegen zu lassen und gleich zur Gletscherlagune zu fahren. Hier hörte der Regen auch endlich auf, nur schwammen in der Lagune kaum abgebrochene Gletscherstücke. Ein paar neugierige Robben schauten, was da so an Touristen zu sehen gab. Insgesamt also weniger interessant und für uns Grund zur sofortigen Weiterfahrt.
Schon auf dem Hinweg hatten wir Autos in der Nähe des Fjallsarlon Gletschers gesehen. Neugierig geworden hielten wir an und wanderten zu dieser Gletscherzunge und waren von dem was wir dort sahen begeistert.
Der Gletschersee war noch zugefroren, so dass wir die abgebrochenen und von Wind und Wetter geformten Eisblöcke aus unmittelbarer Nähe betrachten und fotografieren konnten. Im diffusen Sonnenlicht boten sich unvergessliche Eindrücke. Noch fällig überwältigt vom Gesehenen haben wir dann nur dem Svinafellsjökull im Skaftafell Nationalpark einen Abstecher gewidmet und wanderten im Tal Morsadalur. Am späten Nachmittag schaffte es die Sonne dann endlich bei Lómagnúpur die Wolken zu vertreiben…. (zu den Bildern)

Retour in Richtung Reykjavik. Und natürlich begann der Tag wieder bei fiesem Wetter. Kurz vor erreichen des Skogafoss kam die Sonne durch – pünktlich wie jeden Tag zwischen 11 und 12 Uhr – und es bot sich ein herrlicher Anblick auf den Eyjafjallajökull, der sich bisher immer mit Wolken bedeckt hatte. In der weiten Ebene des Markarfljót werden Pferde gezüchtet. Auf eine große Koppel hatten wir ungehinderten Zugang zu den Tieren. An diesem Tag übernachteten wir in Hveragerði (isl. Hveragerðisbær). Die Gemeinde ist bekannt für ihre zahlreichen Gewächshäuser, die mit Erdwärme beheizt werden. Hier wachsen Gemüse und alle möglichen Früchte. Im Norden der Stadt führt ein Wanderweg entlang der heißen Quellen. (zu den Bildern)

Südküste. Am vorletzten Tag war die Südküste unser Ziel. Die Gegend ist hier geprägt durch die landwirtschaftliche Betriebe. Stokkseyri, Eyrarbakki und Porlakshöfn sind drei kleine Gemeinden, direkt am Meer gelegen. Stokkseyri und Eyrarbakki waren früher Handelsplätze und Orte des Fischfangs. Dabei war Eyrarbakki jahrhundertelang einer der wichtigsten Hafen- und Handelsorte Islands. Das Städtchen hat viele alte, gut erhaltene Häuser aus der Zeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Am Hafen sind Bilder von Sturmfluten aus den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts zu sehen, die die Schiffe stark in Mitleidenschaft gezogen haben. Heute starten die Fischer vom modernen Hafen in Porlakshöfn, hier schützt ein großer Steinwall gegen die Stürme. Im Geistermuseum in Stokkseyri kann man isländische Geistergeschichten in deutscher Sprache hautnah miterleben. Die Winter sind lang und so entstand mache gruselige Story. Am Nachmittag zog es uns nochmals nach Reykjavik.  Abreise. Der nun fast übliche Morgenniederschlag kam am letzten Tag als Schnee herunter. Binnen Minuten war die Landepiste in Keflavík mit einer zentimeterdicken Schneedecke überzogen, so dass erst geräumt werden musste, ehe unser Flugzeug landen konnte und wir unseren Heimflug antreten konnten. (zu den Bildern)

Was man vermeiden sollte. Die Angebote für Flüge sind im Winter weitaus spärlicher als im Sommer. Und so ging es mit Airberlin von Düsseldorf über den Umweg Berlin nach Keflavik. Der sogenannte Gabelflug, hatte nur einen Haken. 35 Minuten für den Zwischenstopp in Berlin sind verlockend, aber viel zu knapp bemessen. Angekommen am Terminal A hieß es am Terminal C erneut durch die Sicherheitskontrolle! Das Sicherheitspersonal arbeitete stur nach Vorschrift. „Stellen Sie sich hinten an und beschweren sie sich bei Ihrer Fluggesellschaft.“ (was wir auch machen werden) Also an der langen Schlange mit den entsprechenden Erklärungen vorbei. Völlig ausser Atem haben wir dann ca. 15 Minuten nach der regulären Startzeit das Flugzeug erreicht. Wir waren nicht die Letzten und man wartete auf uns. Nun könnte man meinen „selber Schuld“. Klar. Nachdem wir den sehr knapp bemessenen Zwischenstopp bemerkt hatten, haben wir die Fluggesellschaft kontaktiert. „Kein Problem – ab 30 Minuten Pause zwischen Landung und Start schaffen Sie das ohne Probleme“. Nur wir werden das in keinem Fall wieder machen. Und wer es probieren möchte, sollte in Vorbereitung des Fluges Sprints trainieren und kurze, überzeugende Argumente parat haben, um sich schnell vordrängeln zu können. Mindestens eine Stunde Wegzeit sind für die Strecke vom Terminal A zum Terminal C unter Berücksichtigung des erneuten Sicherheitschecks tagsüber realistisch. Letztendlich war dies alles vergessen und die Stimmung wieder bestens, als wir unser Ziel erreicht hatten und auch die Koffer das Umsteigen geschafft hatten.

Es war wieder sehr schön. „Nur“ so winterlich wie erwartet war es nicht.
Es hatte ca. eine Woche zuvor intensiv getaut. So war im Tiefland nur noch wenig Schnee zu sehen. Die Temperaturen liegen in den Wintermonaten durchschnittlich bei -5°C bis +5°C. Der warme Golfstrom, dessen Wasser an der Südküste Islands vorbeizieht, beschert dem Süden etwas höhere Temperaturen als dem Hochland und dem Norden. Dass das Wetter schnell umschlagen kann, zeigte uns der letzte Tag, wo es „binnen Minuten“ zu einer geschlossenen Schneedecke kam. Die Wettervorhersage für Island ist unwahrscheinlich genau, was den aktuellen Tag betrifft. Die Vorhersage über mehrere Tage ist relativ unsicher.
Es war Ende März schon angenehm lange hell, so dass wir sehr viel unternehmen konnten. Um Nordlichter zu sehen, muss deren Intensität hoch genug sein und es dürfen keine Wolken am Himmel sein. Nur an einem Abend waren diese Bedingungen hinreichend erfüllt. Mitte März – zu spät für den Winter? Nein, ein paar Tage später war alles wieder weiß. War das die letzte Reise nach Island ? Nein, das nächste Ziel heißt Landmannalaugar.