Unistellar Odyssey und Astropixelprocessor

Stand: 13.10.26

Das Odyssey liefert bereits recht gute gestackte Fotos als PNG oder JPG. Aber geht es besser? Meine bisherigen Ergebnisse waren mal so und mal so. Da aber in einer TIFF Datei mehr Potenzial für eine Nachbearbeitung steckt als in einem PNG oder JPG, der Schritt sich mit APP im Detail zu beschäftigen..

Um das Programm zu verstehen, hatte ich mir ein Buch bestellt:

ASTRO PIXEL PROZESSOR SCHNELLSTART-LEITFADEN 2026: Stacking, Kalibrierung, Rauschunterdrückung und Bildverarbeitung
von MCALBERT EDWARD

Das war eine herbe Enttäuschung, nur allgemeines Bla, bla, bla. Bitte nicht kaufen!
Amazon war so kulant und erstattet mir den Kaufpreis.

Also habe ich beschlossen mir selbst eine Art Leitfaden zu erstellen. APP kann mehr oder weniger ohne Eingriff des Bedieners benutzt werden. Datein laden und mit INTEFRATE weiter machen, aber da vergibt man sich Vieles.

Was ist beim Import der Dateien zu beachten?

  • Das richtige Bayer Pattern (Farbmuster auswählen) Um das vom Odyssey verwendete Profil zu wissen, hilft ein Blick in den Kopf der FITS Datei. Dazu kann folgendes Programm verwendet werden:
  • https://www.npfcalculator.com/fits-viewer
  • Unistellar verwendet in verschiedenen FITS Dateien einer Session (Einzeldateien wie 20261006T192635_546_StackInput.fits , Summendateien wie 20261006T192837_323_StackSum.fits ) mitunter unterschiedlichen Muster. Warum habe ich beim Service angefragt. Eine Antwort steht noch aus. Das verwendete Farbmuster ist entscheidend für das Aussehen des farblichen Bildes.
  • Bisher habe ich nur jeweils eine Session ausgewertet.

Die Datei stacksum.fits bezeichnet ist bei Unistellar-Teleskopen das fertig aufsummierte und kalibrierte Summenbild (Master-Stack) einer Beobachtungssession im astronomischen FITS-Format. Wird diese genutzt lassen sich Schritte 0 bis 5 bei bei APP einsparen oder überspringen. Es kann sofort der Schritt integrate folgen .
Offen ist jedoch was da Unistellar im einzelnen macht. Andererseits kennt nur Unistellar die genauen und notwenigen Algorithmen.

Was ist zu laden ?

Lights – 20261006T192647_547_StackInput.fits

Unter Lights lade ich auch die Datei stacksum.fits, wenn ich die diese vewende, was eine Zeiteinsparung bedeuted. Darks lade ich in diesem Fall nicht. Ist das richtig? Zumindest sehe ich keinen Unterschied.

Darks – 20261006T182711_298_DarkframeMean.fits

Die anderen Eingabefelder bleiben leer, da Unistellar keine anderen Dateitypen anbietet.

Laden StackSum.Fit + INTEGRATE

Es erscheint ein fertig bearbeitetes Bild

Das Bild von Unistellar im Vergleich:

Was fällt auf?
– Der Nebel ist im Zentrum grün, kein roter Rand bei APP
– die Sterne sind viel zu groß

  1. Reduzierung der Sternengröße unter Tools / Sternengröße in APP
  2. Korrektur des Bildes im Viewer von APP . siehe https://www.youtube.com/watch?v=T1tgGhC6wHg&t=5s
  3. Bearbeitung in C1 – Hintergrund maskieren, entsättigen.

Der untere Regler Detail Enhancement im APP Viewer ist mit Vorsicht zu genießen! Viel zu viel im Bild oben.

Bild in APP weniger geschärft, Bearbeitung in C1 gleich.

Warum der Farbunterschied? (Google Antwort)

Beim Hantelnebel (M27) erklärt sich der Farbunterschied zwischen der Unistellar-App und APP besonders gut durch die Physik des Nebels und die Filterung des Teleskops.

M27 leuchtet hauptsächlich in zwei Wellenlängen:

  • OIII (Sauerstoff): Ein intensives Blau-Grün (Cyan) im Zentrum des Nebels.
  • H-Alpha (Wasserstoff): Ein tiefes Rot in den äußeren Bereichen.

Dass Ihr Rohstack in APP giftgrün wirkt, während die Unistellar-App ein schönes Blau zeigt, liegt an der softwareseitigen Interpretation des OIII-Signals:

  • Das „Problem“ des OIII-Signals: Die Wellenlänge von zweifach ionisiertem Sauerstoff (OIII) liegt bei etwa 500,7 Nanometern. Das befindet sich im Farbspektrum exakt an der Grenze zwischen Grün und Blau.
  • Warum APP es grün anzeigt: Da ein Farbsensor (wie der im Odyssey) doppelt so viele grüne wie blaue Pixel hat, schlägt das OIII-Signal beim Debayern in APP massiv im Grünkanal an. Ohne Kalibrierung dominiert dieses rohe Grün das gesamte Zentrum des Hantelnebels.
  • Warum das Odyssey es blau zeigt: Die Software von Unistellar weiß genau, wie der Sensor auf M27 reagiert. Sie korrigiert die Farbbalance automatisch so, dass das OIII-Signal als ästhetisches Teal/Blau-Cyan dargestellt wird, während der rote H-Alpha-Rand verstärkt wird.

Der finale Schritt in APP:
Sobald Sie in APP das Tool „Calibrate Star Colors“ (Sterne farbkalibrieren) über das Bild laufen lassen, erkennt die Software das physikalische Verhältnis der Sternfarben. Dadurch verschwindet der grüne Schleier, und das Zentrum des Hantelnebels springt von dem unnatürlichen Grün in das korrekte, wunderschöne Blau-Cyan (OIII) um, während die roten Außenbereiche (H-Alpha) sichtbar werden.

Das hat nicht funktioniert!

Versuch die Farben in C1 anzupassen

  1. Farbtempertur abgesenkt
  2. Farbton geändert …. schwupp:

Optimiert wurde lediglich mit dem Ziel das Blau zu erreichen, bzw, das Grün weg zu bekommen.

Das muss ich erst einmal verdauen, bzw. begreifen, was ich da gemacht habe, Auf jeden Fall wäre es schön, wenn Unistellar statt einem JPG bzw. PNG ein 32 Bit TIFF anbieten würde,

14.10.26

Die Hauptregler von C1 und ihre Funktion

  • Kelvin-Regler (Farbtemperatur):
    • Nach links (kühler): Schiebt die Farbtemperatur in Richtung Blau (reduziert Gelb- oder Orangestiche bei warmem Kunstlicht).
    • Nach rechts (wärmer): Schiebt die Farbtemperatur in Richtung Gelb/Rot (macht das Bild wärmer, etwa bei Schatten oder blauem Himmel).
    • Bereich: Reicht typischerweise von ca. 800 bis 14.000 Kelvin.
  • Tint-Regler (Farbton):
    • Nach links: Fügt einen grünen Farbstich hinzu.
    • Nach rechts: Fügt einen Magenta- bzw. Violettstich hinzu (hilft perfekt gegen Grünstiche oder zur Hautton-Korrektur).

Je nachdem wie man die Regler verschiebt, verschwindet der Grünton. Aber auch ein Einfluss auf die Randbereiche des Nebels ist zu sehen. Probieren, probieren…

Woher weiß ich welche Farbe stimmt? (Google Antwort)

„Richtige“ Farben gibt es in der Astrofotografie per se nicht, da das menschliche Auge nachts kaum Farben wahrnehmen kann. In der Bildbearbeitung versteht man unter „richtigen“ Farben daher eine wissenschaftlich kalibrierte Farbdarstellung (True Color), bei der die Farben der Sterne exakt ihren physikalischen Oberflächentemperaturen entsprechen.
Ob Ihr Astrofoto diese korrekten Farben besitzt, lässt sich durch mathematische Abgleiche mit Sternenkatalogen überprüfen und einstellen.

Die drei Stufen der Farbprüfung und -kalibrierung

Moderne Astrofotografie-Software (wie PixInsight oder das kostenlose Siril) nutzt Datenbanken, um die Farben in Ihrem Bild automatisiert zu prüfen:

  1. Photometrische Farbkalibrierung (PCC): Die Software führt ein Plate Solving durch, um zu erkennen, welcher Himmelsausschnitt zu sehen ist. Sie vergleicht die Helligkeit der Sterne in Ihrem Bild (in Rot, Grün und Blau) mit den bekannten, exakten Messwerten aus wissenschaftlichen Katalogen (z. B. dem Gaia-Katalog) und korrigiert die Farbkanäle so, dass sie übereinstimmen.
  2. Spektrophotometrische Farbkalibrierung (SPCC): Dies ist die präziseste Methode. Sie bezieht zusätzlich die exakten Filterkurven Ihres Teleskops und die Quanteneffizienz Ihres Kamerasensors mit ein. Wenn Sie SPCC anwenden, besitzt Ihr Bild die physikalisch „echtesten“ Farben, die mit Ihrem Equipment möglich sind.
  3. Manueller Abgleich (Hintergrund-Neutralisierung): Ein verlässlicher Indikator für falsche Farben ist der Himmelshintergrund. Reiner Weltraum ohne Nebelstrukturen sollte in der Grafik (Histogramm) einen neutralen Grauwert aufweisen, ohne einen auffälligen Grün-, Rot- oder Blaustich zu haben.

Visuelle Faustregeln zur Kontrolle

Wenn Sie Ihr fertiges Bild betrachten, können Sie sich an folgenden optischen Merkmalen orientieren:

  • Sternfarben: In einem korrekt kalibrierten Bild gibt es eine ausgewogene Mischung aus blauen (sehr heißen), weißen (mittleren wie Wega), gelben (wie unsere Sonne) und rötlichen (kühleren) Sternen. Dominieren ausschließlich blaue oder gelbe Sterne, stimmt der Weißabgleich nicht.
  • Emissionsnebel (z. B. Orionnebel): Bei klassischen RGB-Aufnahmen leuchtet Wasserstoff (H-Alpha) typischerweise kräftig Rot bis Pink. Sauerstoff (OIII) hingegen strahlt in einem charakteristischen Türkis bis Cyan (Blaugrün). Reines Dunkelblau bei OIII deutet meist auf eine Fehlkalibrierung des Sensors hin.
    Hinweis: Wenn Sie Schmalbandfilter nutzen (z. B. die Hubble-Palette mit SHO), bilden Sie per Definition Falschfarben ab, um chemische Strukturen sichtbar zu machen. Hierbei gibt es kein „Richtig“, sondern nur eine harmonische Trennung der Gase

Gilt für Unistellar: Für diese automatische Farbkorrektur kommt vor allem die sogenannte Vivid Vision Technology zum Einsatz. Diese Software verarbeitet die RAW-Bilddaten des Teleskops und gleicht sie mit astronomischen Katalogen ab, um Abweichungen und Darstellungsfehler zu korrigieren.

NGC 6992

Am 6.10.26 konnte den Cyrrus Nebel aufnehmen. Da das Bild vom Odyssey recht blass war, wollte ich ein besseres erhalten. APP hat sich leider nach dem letzten Update „verabschiedet“, läuft auf dem IntelMac gar nicht mehr, auf dem MacbookAir mit M5 geht das Normalisieren nicht. Die erzeugten Bilder sind absolut unbrauchbar.

Blieb nur das vom Odyssey erstellte JGP in C1 zu bearbeiten.
Ziel war es die Sterne zu entfärben und mehr Struktur und Farbe in den Nebel zu bekommen.

Schritt 1 – Entsättigen – Bilder jeweils anklicken um eine größere Ansicht zu bekommen.

Ausgangsbild in C1 geöffnet

Schritt 2 – AI Maskierung der Nebelflächen und die Bereiche wieder sättiigen und die Farben verstärken.

Schritt 3 – Ebene duplizieren, man hätte auch gleich die Farben stärker betonen können, so war es einfacher, das Optimum zu bekommen. (Deckkraft der zweiten Ebene variieren)

Schritt 4 – In einer weiteren Variante mit gleichem Ablauf wurde das Blau verstärkt und der lokale Kontrast angehoben.

„Neue Welten“ lassen sich zwar so nicht erschaffen, aber die Bilder kann man so sehr einfach anpassen. Wie weit das jeder treibt, ist Geschmackssache.